Sonnenfinsternis 2006 in Side, Türkei Zurück - Startseite



Nachdem die letzte in Süddeutschland sichtbare Totale Sonnenfinsternis im Jahre 1999 sprichwörtlich ins Wasser gefallen ist, hat unser Verein - die Astronomische Vereinigung Weikersheim e.V. - beschlossen, eine Exkursion zu unternehmen und zwar in die Südtürkei zur totalen Sonnenfinsternis. Das genaue Ziel lautete Side an der türkischen Riviera, etwa 70 km von Antalya entfernt.

Ein Klick auf die Bilder liefert eine vergrößerte Ansicht.


Sonnenaufgang auf dem Weg nach Stuttgart.
Canon EOS 20D, EF 75 - 300 mm bei f= 75 mm.

Es ging los am Montag, 27.03.2006. Der Wecker klingelte um 04:30 MESZ. Spät am vorangegangenen Abend ins Bett gekommen quälte ich mich heraus. In der Nacht zuvor wurden die Uhren auf Sommerzeit eine Stunde vorgestellt. Zum Glück hatte ich aber schon alles gepackt gehabt. Treffpunkt war um 06:00 MESZ bei Hartmut Schneeweiß, unserem Vereinsvorsitzenden. Nach und nach trudelten alle ein, bis am Ende elf gespannte SoFi-Touristen voller Ungeduld auf die Abfahrt warteten.
Vom Treffpunkt aus fuhr uns ein Transferbusunternehmen zum Flughafen Stuttgart, den wir um ca. 08:00 MESZ erreichten. Nach dem Einchecken ging es noch in den Duty-Free-Shop, denn die Raucher unter uns mussten ja auf ihre Kosten kommen *g*.
Mit etwas Verspätung hob unser Flugzeug gegen 11:00 MESZ ab in Richtung Antalya. Ich hatte das Glück, einen Fensterplatz bekommen zu haben, so dass sich das eine oder andere Bild einfangen ließ...


Die Alpen beim Überflug aus etwa 5000 Metern Höhe.
Canon EOS 20D, EF 75 - 300 mm bei f= 75 mm.

Der Flug verlief sehr angenehm. Es war mein erster Flug gewesen, Angst hatte ich jedoch keine. Um etwa 13:30 MESZ sind wir in Antalya gelandet und von dort aus ging es mit einem Reisebus weiter ins etwa 70 km entfernt gelegene Side an der südtürkischen Küste zum Mittelmeer. Wir waren über zwei Stunden unterwegs, da die Fahrgäste des Busses in verschiedenen Hotels untergebracht werden sollten, die wir alle erst anfahren mussten.

In unserem Hotel Venüs-Hotel in Titreyengöl bei Side angekommen wurden erst einmal die Zimmer bezogen und sich etwas ausgeruht. Manche von uns konnten es aber nicht sein lassen und probierten die Auswahl an der Hotelbar aus :).
Am ersten Abend beobachteten wir etwas den Himmel im etwas erhellten Hotelhof. Es war ungewöhnlich, dass Sirius so hoch kulminiert, liegt Side doch auf 36° nördlicher Breite, 13° südlicher als das gewohnte Bad Mergentheim.


Montag abend vor dem Hotel bei angenehmen Temperaturen...


Und schließlich Dienstag früh beim Frühstücksbuffet...


Herrlichstes Wetter lädt nach dem Frühstück zum Fotografieren ein...


Nach dem Frühstück stand ein Strandspaziergang auf dem Programm, um auch den Finsternisbeobachtungsplatz für Mittwoch auszusuchen...


Wir fanden schließlich einen Sandhügel, der etwa 10 Meter über den Strand ragte. Von dort aus erhofften wir uns, den herannahenden Mondkernschatten zu sehen.


Auf dem Weg zurück zum Hotel, welches etwa 400 Meter vom Strand entfernt liegt, berieten wir, was wir am heutigen Dienstag unternehmen sollten.

Der Dienstag war eigentlich unser einziger völlig freier Tag. Wir beschlossen, mit einem Dolmus, einem türkischen Sammeltaxi nach Side zu fahren und uns dort das berühmte Amphitheater anzuschauen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits etwa 100 Bilder gemacht.


Überreste eines alten Tempels in der Nähe des antiken Sidetheaters. Zahlreiche alte Steine bedeckten den Boden, aber wir hüteten uns, welche davon einzustecken :).


So sah es überall um das alte Sidetheater aus. Kleinere und größere Brocken bedeckten den Boden.


Im Sidetheater

Im Amphitheater angekommen stellten wir fest, dass sich die NASA dort bereits breit gemacht hatte, um am Tag X die Sonnenfinsternis live ins Internet zu übertragen. Es ergaben sich nette Gespräche mit deren Mitarbeitern, wo auch noch einige SoFi-Brillen bei absprangen. Aber nachdem wir gesehen haben, was für ein Instrumentarium an Beobachtungsgeräten dort aufgebaut war, wurde uns klar, dass es die NASA die paar Euros für Finsternisbrillen nicht schmerzt (Prontos, Solarmax, EOS 1Ds MII usw standen da herum).


Der zuerst besuchte Tempel vom Sidetheater aus mit Blick in Richtung Meer.

Danach gingen wir durch die Altstadt von Side. Es gab zahlreiche Geschäfte, Bazars und Cafés. Die Ladenbesitzer standen immer an den Eingängen und versuchten uns mit Sprüchen wie "du deutsch?" in ein Gespräch zu verwickeln, um uns schließlich zum Kaufen zu bringen.
Später kamen wir noch am Apollotempel vorbei. Von Bildern aus Reiseführern her kannten wir ihn schon und dachten uns, dass dieser evtl. der perfekte Beobachtungsort für die SoFi wäre, aber leider kamen schon einige Hundert vor uns auf diese Idee, u.a. mehrere Fernsehteams. Später erfuhren wir, dass auf dem Areal um den Apollotempel über 10.000 Menschen die Finsternis bewunderten.


Der Apollontempel.


Fortbewegungsmittel von Finsternisjägern.

Hier gab ich ausnahmsweise die 20D mal aus der Hand und ließ mich von Eugen fotografieren. Angst um die Kamera hatte ich nicht, schließlich hat er ja auch eine ;).
Gegen 17:00 MESZ wieder im Hotel angekommen wurde sich erst mal etwas ausgeruht und später ausgiebig gegessen. An dieser Stelle sei gesagt, dass das Angebot an Essen sehr gut war. Man hatte reichlich Auswahl und es schmeckte auch sehr gut.
Nach Einbruch der Dunkelheit ging die ganze Mannschaft dann noch runter zum Strand, um dort den etwas südlichen Himmel zu beobachten:


Nächtliche Beobachtungen am Strand von Titreyengöl. Unser Grüppchen bei der Himmelsbeobachtung am Strand am Abend des 28.03., dem Tag vor der SoFi.


Das Meer... schön glatt nach einer Belichtungszeit von 5 Minuten.

Am nächsten Morgen wurde es ernst. Die Spannung stieg ins Unermessliche und immer wieder diese Blicke aus dem Fenster gen Himmel, ob die Sonne auch (noch) scheint. Zuerst wurde aber ausgiebig gefrühstückt. Wir zogen zeitig gegen halb zehn los, damit wir den am Vortag erspähten Beobachtungsplatz sichern konnten. Dies gelang uns auch. Wir suchten uns direkt am Strand einen Sandhügel aus, der etwa 10 Meter über das Gelände erhoben war:


S.O.S. - SoFi Observation Site. Unser Beobachtungsstandpunkt direkt am Strand von Titreyengöl. Ein aufgeschütteter Sandhügel ließ uns doch recht weit ins Meer blicken. Wir hatten Glück, dass wir die Stelle so früh besetzt haben, denn kurz nach uns kamen weitere SoFi-Schaulustige. Aber es hatte Platz für alle...


Die Gischt einer Welle. Noch ist Zeit für ein paar fotografische Experimente... und vor allem nach dem Bild die Kamera wieder abzutrocknen *g*. Sie wurde am Body etwas nass.


Auch Eugen war startklar. Er zielte mit einem MTO 5,6/500 Mak, der berühmten "Russentonne" und seiner 20D, sein Bruder mit einer SLR auf die Sonne.


Matthias war auch gerüstet und es konnte eigentlich losgehen...


Wie auf Befehl fand der erste Kontakt dann auch statt. Um 09:38 UT begann der Mond, die Sonne zu verfinstern.
Canon EOS 20D am Vixen 80M Refraktor, f= 910 mm, f/11
t= 1/2000 sec bei 100 ASA und C3 Intercon-Spacetech Solar Filter.

Noch konnte man etwaige Fehler korrigieren, ohne dass sie große Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Denn ich hatte anfangs den Fokus nicht richtig erwischt... zum Glück kontrollierte ich diesen noch einmal. Nach einem x-ten Check ging ich die Sache relativ gelassen an und wartete einfach ab auf die Sekunde X.


Zwischen zwei Fotos mal etwas verschnaufen. Ich hatte mir vorgenommen, jede Minute ein Bild zu machen. Somit wurde das Warten auf die Totalität recht kurzweilig.
Danke an Ingrid für das Bild von mir... Das ist mal eines der Wenigen, die ich nicht sofort in den Untiefen des virtuellen Mülleimers verschwinden ;)


Die partielle Phase weiter vorangeschritten um 10:38 UT.
Canon EOS 20D am Vixen 80M Refraktor, f= 910 mm, f/11
t= 1/2000 sec bei 100 ASA und C3 Intercon-Spacetech Solar Filter

Die Finsternis war schon weiter fortgeschritten und ab einer Verfinsterung von etwa 70 % konnte man merken, dass das Umgebungslicht langsam fahler wurde, als ob man durch eine getönte Scheibe hindurch sehen würde. Es kam auch ein recht bösartiger Wind auf, der neben der deutlich merkbaren Abkühlung die Temperatur um schätzungsweise etwa zehn Grad Celsius senkte.


Kurz vor der Totalität um 10:49 UT macht sich Nervosität breit. So konnte man sich doch sicher sein, dass aufgrund des wolkenlosen Himmels das Ereignis auf jeden Fall erlebt werden wird. Alle warteten gespannt auf den funkelnden Diamantringeffekt und die eintretende Totalität.
Canon EOS 20D am Vixen 80M Refraktor, f= 910 mm, f/11
t= 1/2000 sec bei 100 ASA und C3 Intercon-Spacetech Solar Filter


Dann war es soweit...: Die Totalität trat ein um 10:55 UT, 13 Uhr 55 türkischer Ortszeit. Der Diamantring war mit bloßem Auge einfach gigantisch und vor lauter Aufregung und Faszination wusste ich gar nicht, mit welche Belichtungszeit ich da gerade belichte. Zu kurz, wie sich am Ende herausstellte, wollte ich den Diamantring doch eigentlich fotografisch festhalten. Aber aufgrund der kurzen Belichtungszeit erwischte ich "nur" den Perlschnureffekt, auch genannt "Baily's Beads". Dieser kommt zustande durch die letzten Sonnenstrahlen, die durch Mondtäler die Erde erreichen. Wenigstens konnte aber Kollege Reiner den Diamantring einfangen... :)


10:55 UT - Die Sonne ist weg, nur noch die Korona ist zu sehen. Auch einige schöne Protuberanzen ragen hinter der schwarzen Mondscheibe hervor...

Die Umgebung ist eingehüllt in ein unheimliches Licht. Nur der Horizont über dem Meer erstrahlt in orangerotem Dämmerungslicht.
Canon EOS 20D am Vixen 80M; f= 910 mm; f/11
t= 1/5000 sec bei 100 ASA


Deutlich sind die Materieströme entlang der solaren Magnetfeldlinien zu sehen.


Das Highlight der Totalen Sonnefinsternis vom 29.03.2006!! Es wurde sehr schnell dunkel. Es war sehr unheimlich. Es lag eine mystische Stimmung in der Luft. Der ringsum leuchtende Streif am Horizont, die schwarze Sonne hoch am Himmel mit der wie hingemalten Korona, die funkelnden Sterne und Planeten und schließlich die jubelnden Beobachter rundherum, Pfiffe und Jubelschreie hallten durch die Gegend... Wurde anfangs in unmittelbarer Nähe noch an einer Baugrube mit Baggern gearbeitet, so wurde es kurz zuvor schlagartig totenstill. Nur das Meer rauschte unerlässlich. Staunende Rufe und Pfiffe hallten durch die Gegend. Augenblicke, die man nie vergessen wird...
Ging zu Beginn ein doch recht heftiger Wind, ließ dieser zur Totalität recht schnell nach. Manche hatten auch den Eindruck, dass das Meer ruhiger geworden ist. Aber ich glaube, das liegt einfach daran, dass die Konzentration auf dem Geschehen am Himmel lag und die meisten umgebenden Faktoren nicht bewusst wahrgenommen wurden.


Übersichtsaufnahme und Gesamteindruck der verfinsterten Sonne über dem Mittelmeer kurz vor Ende der Totalität um 10:58 UT.
Canon EOS 20D; t= 1/8 sec bei 400 ASA
EF-S 18 - 55 mm; 18 mm


Ende der Vorstellung...
Und dann wars auch schon wieder vorbei. Nach 3 Minuten 45 Sekunden begann der Mond, die Sonne wieder freizugeben. Ich blieb noch etwa 30 Minuten und beobachtete die wachsende Sonnensichel am Himmel, bis ich partout dann keine Lust mehr hatte, da sich bereits ein schöner Sonnenbrand bei mir im Gesicht breitgemacht hatte.
Dann ging es zurück ins Hotel. Das ganze Gerödel musste wie am Morgen schon über den Strand geschleppt werden... 19,5 Kilo!!! Das ging auf die Arme, zumal das Vorankommen in dem groben Sand allein schon recht schwierig und anstrengend war. Aber nach 500 Metern etwa kam fester Boden, so dass ich meinen Hartschalenkoffer wie am Flughafen hinter mir herziehen konnte...
Der vielen Sonnenstrahlung ausgesetzt war ich den nachmittag dementsprechend bedient und legte mich erst einmal schlafen, nachdem ich den Sand aus meinen Schuhen kiloweise ausleerte.

Am Abend wurde erneut ausgiebig gegessen und gefeiert. Die Bar war gut besucht. Doch ich bekam von alldem nicht sehr viel mit, da ich sehr müde war. Zudem ging es um 01:45 Ortszeit schon wieder los in Richtung Flughafen Antalya. Die Koffer waren schon gepackt, so dass es pünktlich losgehen konnte. Der Flieger startete um 06:00 Ortszeit und wieder erwischte ich einen Fensterplatz, von welchem aus man einen herrlichen Blick auf den Sonnenaufgang über den Wolken hatte.

Wir landeten im verregneten Stuttgart gegen 09:00 MESZ. Die Transferbusse ließen auch nicht lange auf sich warten, so dass wir kurz darauf schon auf dem Nachhauseweg nach Bad Mergentheim waren, wo wir um kurz vor 11:00 MESZ auch ankamen.

Insgesamt betrachte ich diese Reise als super erfolgreich und werde lange daran denken. Es war persönlich meine erste sichtbare totale Sonnenfinsternis, die ich in voller Länge beobachten konnte. Die Finsternis von 1999 war ja nicht so der Hammer. Aber diesmal musste man keine Angst haben, dass das Ereignis ins Wasser fällt. Der Himmel war bis auf sehr wenige Cirren komplett frei und man konnte (sofern man wollte und sich keinen Fotostress antun wollte) das Spektakel vollständig genießen... Ich denke mal, dass alle anderen Teilnehmer unserer Gruppe die gleichen Eindrücke mit nach Hause nehmen. Und hier ist es an der Zeit, die Teilnehmer einmal namentlich zu erwähnen:


Gruppenfoto

Ingrid Fitzgerald
Reiner Nettling
Matthias Otte
Dietmar Vötisch
Hartmut Schneeweiß
Norbert Kemmer
Friedrich Dehner
Alexander Welz
Eugen Kamenew
und kniend am Boden meine Wenigkeit Jens Hackmann
nicht auf dem Bild: Alexander Kamenew

Nun möchte ich noch im Namen aller Beteiligten dem Hauptorganisator der Reise, Hartmut Schneeweiß, ein herzliches Dankeschön aussprechen!!!


Ich hoffe, das Lesen dieses Berichtes und das Anschauen der Bilder machte etwas Spaß und vor allem Lust auf das Erleben einer Totalen Sonnenfinsternis :).
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