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So... nun ist es soweit. Ich gebe Tipps zur Infrarotfotografie. "Ohje", denkst du nun vielleicht. Aber macht nichts. ![]() Nun, ich möchte das Ganze recht ausführlich behandeln. Daher zunächst also erst einmal die Übersicht: 1) Das Spektrum 2) Infrarot 3) Was soll IR-Fotografie? 4) Taugt meine Kamera? 5) Was brauche ich? 6) Bilder aufnehmen 1) Das Spektrum Ganz bei Adam und Eva möchte ich nicht beginnen, aber zum Verständnis fange ich mit dem Gesamtspektrum des Lichtes oder allgemein elektromagnetischer Wellen an. Hierzu einmal diese Grafik: ![]() Hier wird gezeigt, dass der Teil des Spektrums, den wir als sichtbaren Teil bezeichnen verschwindend gering ist. Lediglich die Wellenlängen von 400 bis 700 nm kann unser Auge erfassen. Im Bild links vom visuellen Bereich liegt die UV-Strahlung, die u.a. von der Sonne ausgeht und unsere Haut bräunen lässt. Der Bereich rechts vom Sichtbaren, um den dreht es sich hier: das ist die Infrarotstrahlung. 2) Infrarot Nun darf man die Infrarotfotografie nicht mit Wärmebildern (Thermografie) verwechseln. Zwar handelt es sich um die selbe Art Strahlung, jedoch sind Filme bzw. Chips einer Kamera nur in der Lage, das nahe Infrarot zu registrieren. Die registrierte Wellenlänge hängt vom Film bzw. vom Kamerachip ab. Manche Chips sind im Bereich von bis weit in die 1000 nm hinein empfindlich. Und genau in diesem Wellenlängenbereich ab 700 nm bewegen wir uns. Besonders interessant sind hierbei die Objekte in der Umwelt, die viel Infrarot reflektieren. Hierunter zählen vor allem Blattwerk von Bäumen und Pflanzen. Das darin enthaltene Chlorophyll reflektiert Infarot sehr gut, so dass Blätter auf den gemachten Bildern besonders hell bzw. weiss erscheinen. Dies vermittelt den Eindruck eines schneeverhangenen Baumes. Und woher kommt all das Infrarot? Natürlich von unserer Sonne! 3) Was soll Infrarotfotografie? Nun die Frage, die man eigentlich zu jedem Hobby stellen könnte: was soll es eigentlich bringen, im Infraroten zu fotografieren? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Infrarotbilder sind Geschmacksache, da sie meist nur Schwarz-Weiss sind und wenn farbig, dann nur mit nachträglicher Nachbearbeitung. Jedoch erschließt sich einem die Welt im IR in ganz anderen Betrachtungsweisen. Das schon angesprochene reflektierende Chlorophyll in Blättern lässt diese schneeweiss erscheinen. Dies widerspricht der Wahrnehmung mit unserem Auge, welches Blattwerk ja als Grün interpretiert. Infrarotbilder sind also ungewohnt und unheimlich, da sie so erscheinen, als wären sie auf einer fremden Welt gemacht worden. Denn manch Motiv, welches im Visuellen einfach nur langweilig erscheint, offenbart im Infraroten ganz andere Einblicke, die Intensitätsverteilung der einzelnen Objekte im Bild ist völlig anders und allein das ist schon beeindruckend.
Hier sieht man zwei Bilder, die zur gleichen Tageszeit am selben Tag aufgenommen wurden. Links ist die Linde unseres Nachbarn im visuellen Licht zu sehen. Ein recht unspektakuläres Bild, auf dem man ausser ein paar grünen Blättern und einem weissen Hintergrund nichts erkennen kann. Rechts ist die gleiche Szenerie zu sehen, jedoch mit aufgesetztem Infrarotfilter. Auf diesem Bild sieht man sofort, dass das Blattwerk der Linde schneeweiss erscheint. Doch das ist nicht alles. Der Stamm und die Äste, welche auf dem VIS-Bild nicht einmal ansatzweise zu sehen sind, kommen auf dem IR-Bild sehr deutlich rüber. Auch der IR-Himmel lässt klare Details erkennen, während auf dem Bild im Sichtbaren lediglich eine überbelichtete weisse Fläche zu sehen ist. Hier noch ein weiteres Beispiel, was Detailreichtum und Schärfe angeht: Es werden also schärfere und detailreichere Bilder möglich. Aber ist dies der einzige Grund, warum man Infrarotfotografie betreibt? Nein. Der wichtigere Grund wurde schon kurz angesprochen. Hierbei handelt es sich um die dem menschlichen Auge nicht zugängliche Welt, aus welcher man das Motiv betrachten kann. Auf den bis jetzt gezeigten Bildern kann man die fremde neue Welt schon leicht erahnen. Doch mit der richtigen Belichtungs- und Perspektiventechnik kann man aus beinahe jedem Objekt ein fantastisches Bild zaubern. 4) Taugt meine Kamera? Wer bis hier her gelesen hat und von der "neuen" Art von Fotografie immer noch mehr wissen will, wird vielleicht den Wunsch verspüren, selbst einmal Infrarotfotografie zu versuchen. Nun, warum nicht? Ich bin auch erst seit wenigen Wochen dabei und bin erstaunt über diese neuen Möglichkeiten. Zunächst unterzog ich meine Kamera (Canon EOS 20D) einem Infrarottauglichkeitstest. Dieser Test ist allseits bekannt und dient zur Abschätzung, ob die zu verwendende Kamera IR-tauglich ist. Der Test funktioniert folgendermassen: Was brauchts dafür? Die Kamera aufs Stativ montieren, um keine Verwackelungen zu haben. Nun die Fernbedienung mit dem Sender in die Kamera halten und irgendeinen Knopf dauerhaft betätigen. Währendessen die Kamera auslösen. Wichtig: es kann sein, dass längere Belichtungszeiten bis zu mehreren Sekunden nötig sind, je nach Empfindlichkeit der Kamera. Es sollte bei erfolgreichem Test ein weiss bis rosarot aufleuchtender Punkt auf dem Bild zu sehen sein. Ist dies nicht der Fall, die Belichtungszeit noch einmal erhöhen. Sieht man dann immer noch nichts, so ist die Kamera leider nicht IR-tauglich. Eine Datenbank mit verschiedenen Kameras und Objektiven auf IR-Tauglichkeit getestet gibt es hier: http://www.schnittfest.de/index.php?id=259 Das Gleiche gilt auch für Objektive bei Spiegelreflexkameras: nicht jedes ist geeignet für Infrarotaufnahmen. Im Prinzip kann man alle Objektive verwenden, aber manche zeigen helle Stellen im Bild, sogenannte Hotspots. Aber allen Theorien und Gerüchten zum Trotz gilt: Probieren geht über Studieren!!! 5) Was brauche ich? Neben einer hoffentlich erfolgreich getesteten Kamera brauchts aber noch einen entscheidenden Artikel: den Infrarotfilter. Was macht dieser Filter? Nun, zu Beginn zeigte ich das breite Spektrum der Elektromagnetischen Wellen. Das sichtbare Licht bewegt sich dabei zwischen etwa 400 und 700 Nanometern. Infrarot fängtanschliessend an das Rot an, also etwa bei 700 nm. Um wirklich nur das Infrarote Licht einzufangen, benötigen wir also einen Filter, der das sichtbare Licht aussperrt, also nicht auf den Kamerachip lässt. Hier eine Übersicht handelsüblicher Filter: Generell kann man den Bezeichnungen (z.B.R-72) entnehmen, ab welcher Wellenlänge die Filter transparent sind. Je höher die Zahl, desto tiefer im IR macht der Filter erst auf. Bei manchen Kameras können dunklere Filter zu sehr langen Belichtungszeiten führen. Im allgemeinen hat sich der Hoya R-72 gut bewährt, da er auch noch einen kleinen Teil visuelles Licht durchlässt, die Bilder somit etwas farbig werden. Ich verwende den Hoya in Kombination mit einer EOS 20D und bin sehr mit ihm zufrieden, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann. Die Filter sind in verschiedenen Gewindegrössen ab etwa 25 EURO erhältlich. Der Filter sorgt wie gesagt dafür, dass das sichtbare Licht ausgesperrt wird und nur das nahe Infrarot durchgelassen wird. Daher erscheint das Glas des Filters schwarz. Die Transmissionskurve des Hoya R-72 habe ich experimentell bestimmt und sieht etwa so aus (ohne Gewähr): ![]() Ich habe nur bis 900 nm gemessen, es kann sein, dass der Filter bei längeren Wellenlängen wieder zu macht. Nun, das wichtigste habe ich somit erwähnt. Weiter nötig wird sehr wahrscheinlich ein Stativ sein. Da sich bei den meisten Digitalkameras vor den Chips ein IR-Cut Filter befindet, wachsen die Belichtungszeiten teilweise in den Sekundenbereich, so dass ein verwackelungsfreies Bild von Hand kaum möglich ist. In der Übersicht: Dann kanns auch schon los gehen. Was man aber noch beachten muss, kommt im folgenden Punkt, will man gute Infrarotbilder gewinnen. 6) Bilder aufnehmen So, nun gab es genug Theorie, es geht an die Praxis. Jedoch kann man nicht zu jeder Tageszeit oder zu jedem Wetter Infrarotaufnahmen machen. Wichtigste Voraussetzung hierfür ist, dass die Infrarotquelle leuchtet, die Sonne also scheint. Es muss also ein sonniger Tag sein, an dem zumindest zum Zeitpunkt der Aufnahme die Sonne scheint. Es können ruhig dicke Wolken am Himmel sein, dies ergibt z.T. dramatische Ergebnisse. Hat man das Motiv der Begierde gefunden, sucht man sich ein Plätzchen, wo einem die Sonne nicht gerade von vorne auf den Latz leuchtet. Steht die Sonne im Rücken, so wird das Motiv sozusagen frontal beleuchtet und reflektiert das Maximum an Infrarotstrahlung. Es gibt aber durchaus auch interessante Effekte, wenn die Sonne seitlich auf das Motiv scheint. Es kann alles ausprobiert werden, aber direkte Sonneneinstrahlung von vorne ergibt nur selten gute Ergebnisse. Dann die Aufnahme. Blende voll auf, Empfindlichkeit erst mal niedrig wählen und los. Man wird sehen, dass es einige Anläufe braucht, bis die gewünschte Intensität gewonnen wurde. Aber schon nach kurzer Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, in welchem Belichtungszeitbereich die Kamera die besten Intensitäten liefert. Doch was ist das...: ![]() Warum ist das Ganze so rot? So sehen die ganzen tollen Bilder im Internet aber nicht aus. Nun, das liegt daran, dass der automatische Weissabgleich der Kamera mit den Farbwerten nichts anfangen kann und das Bild so darstellt, wie es ist, nämlich rot. Man muss nun einen manuellen Weissabgleich durchführen und der Kamera sagen, dass das was rot ist, eigentlich weiss sein soll. Hierfür wird im Internet empfohlen, so vorzugehen: man fotografiert mit vorgeschraubten Infrarotfilter und Weissabgleich auf Auto eine sonnenbeschienene Wiese oder grünen Baum so, dass der Schwerpunkt des Histogrammes auf der weissen Seite liegt, jedoch keine Pixel gesättigt sind. Mit anderen Worten, etwa 1 bis 5 Sekunden lang belichten, so dass eine akzeptable Bildintensität vorliegt. Nun muss man einen manuellen Weissabgleich auf das gemachte Bild durchführen. Wie das bei der EOS 20D geht, werde ich in Kürze erläutern. Für die Nikon D70 siehe hier. Ist der manuelle Weissabgleich durchgeführt und belichtet das gleiche Objekt nochmal, fällt gleich auf, dass das nun schon besser aussieht. Der Rotstich ist weg, Blätter erscheinen weiss und "blauer" Himmel kommt ocker bis braun rüber. So soll es sein. Wie schon oft erwähnt sehen Blätter und Bäume weiss aus. Diesen Effekt nennt man "Wood effect". Das ist einer Reize der IR-Fotografie. Also werden Primärziele irgendwelche Gewächse jeglicher Art sein. Und Grünzeug jeglicher Art ist in der Regel beweglich, wenn ein Wind weht. Das ist ein Problem, das lange Belichtungszeiten mit sich führen. Wählt man die Belichtungszeit zu lang und es geht eine kleine Brise, so verwaschen zu nahe stehende Bäume oder Büsche. Hier muss man entweder einen windstillen Moment abwarten, die ISO-Empfindlichkeit eröhen oder die Unschärfe in Kauf nehmen. Oftmals ergibt das dramatische Effekte auf einem Bild. |
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